Dienstag, 21. Februar 2017

Reise durch Persien 1



Reiseberichte wie der von Johannes oder von Jenny und Peter machten mir schon lange Appetit auf Iran. Jaja, ich weiß ja, dass sich Erfahrungen nicht übertragen lassen, aber in DEM Fall hätte ich nichts dagegen gehabt. Rein gar nix.

Auch wir haben während unseres Aufenthaltes die so viel gerühmte, iranische Gastfreundschaft erlebt. Aber - mal ganz ehrlich - es ist schon völliger Quatsch von so etwas wie einer *Willkommenskultur* auszugehen samt einer Bevölkerung, die *Hosianna* ruft, nur weil sie einen Touristen sieht. Blöd, sich so was vorzustellen, oder? Aber hey, man wird ja als Traveller noch träumen dürfen. Außerdem war Winter in Zentral-Iran und der friert auch dort die Finger klamm. Und der Tourismus hat mittlerweile deutlich zugenommen: er ist in Iran zu einem Industriezweig geworden wie überall auf der Welt.

Was uns hauptsächlich entgegen gebracht wurde, war die von der Regierung verordnete *individuelle Begrüßung*. Den immer gleichen Satz *Where are you from?* haben wir, ich weiß nicht wie oft gehört. Begleitet in 99 Prozent der Fälle von völligem Desinteresse für die Antwort. Gerne wurde dann noch ein *Welcome to Iran* dazu geschmissen. Worauf uns als Touri die immer gleiche Reaktion blieb - ebenfalls in aller Schnelle und Beiläufigkeit - nämlich *MerciMerci*, anfangs freundlich bemüht, am Schluß eher lustlos, bzw. gleichfalls mechanisch.

Dazwischen gab es dann die Sternstunden, die *echten Begegnungen*, welche, die unsere Reise dieses Mal sehr bereichert haben. Allerdings nicht nur mit Iranern sondern ebenso mit anderen Travellern. Was mir wirklich IMMER eine Freude ist, wenn sich Augenpaare treffen mit echter Neugier füreinander.

Jeder erlebt seine eigene Reise. Gut veranschaulichen das kleine Geschichten von anderen Individualreisenden. So war ein blondschöpfiges, junges Pärchen aus Dänemark genervt, auf der Straße ständig als Selfie-Stop für Iraner herhalten zu müssen. Unnötig anzumerken, dass uns das, dunkelmähnig wie wir sind, nie passierte.

Ein französischer Endvierziger und passionierte Liege-Tandem-Fahrradfahrer (ich wußte bis dato gar nicht, dass es für mich *komische Hobbys* gibt, die für mich eindeutiges K.O.-Kriterium in der Partnerwahl darstellen.... tsss... Liege-Tandem-Fahrradfahrer...  Tage später lachte ich noch über mich selbst und meine Uarggh-Reaktion darauf....), also dieser alleinreisende Fränzi klagte vorallem über das mangelnde Interesse der Jungtraveller in den Dorms untereinander - somit für ihn. Schlimm! Alle Smartphone-süchtig und plus de vrais routards mehr wie früher...

In Isfahan kreuzten sich unsere Wege mit einem offenen Schweizer und seiner hübschen, thailändischen Freundin (Mittdreißiger). Sie waren bereits den zweiten Monat in Iran und Selberfahrer. Sein Statement lautete so: *Ich habe die Schnauze voll. Vielleicht macht ihr andere Erfahrungen wie wir, aber unsere sind, dass dich hier 80 Prozent der Leute betrügen. Du zahlst mehr, einfach weil du weiß bist. Fünf Jahre habe ich mich auf diese Reise gefreut und jetzt will ich einfach nur noch raus aus dem Land. Unser Problem ist nur: wir erhalten partout kein Visa für Pakistan.*

Oder direkt am ersten Tag nach Ankunft in Tehran frühstückten wir in unserem Guesthouse (das übrigens besser war als auf der Straße schlafen und schlechter als Campen, dafür aber 25Euro für sein nackiges Etagenbett-Zimmer verlangte) zusammen mit einer puppengesichtigen, jungen Chinesin in einem königsblauen Folklore-Mantel, der sie ausgesprochen gut kleidete und der mir später auf dem Bazaar in Shiraz wieder ins Auge stach. Sie meinte in leicht gebrochenem Englisch: *20 days in Iran enough. Be careful with the money. First you think *Oh, really cheap*, then you realize *Oh no, really expensive*. Now I have seen enough mosques. Yet I am travelling to Azerbaidzhan. There they are... - sie bekreuzigt sich - and the accommodations are mutch cheaper...*

Nehme ich unser Fazit vorweg: nahezu sämtliche Vorstellungen, die ich von Iran hatte, stellen sich als Irrtum heraus. Dazu gibts eine kleine Perlenkette an mitgebrachter Beispiele, die meinen Kopf erhellen und bereichern...

Sonntag, 19. Februar 2017

Zeit für ein weiteres DUBB


Ihr dürft den ganzen Erdball nach einer besseren Zutatenliste für eine vegetarische Borschtsch-Suppe absuchen - ihr werdet keine finden! Das war überhaupt eines der allerersten Rezepte, das ich mir abgeschrieben habe WEIT vor meiner Küchenaffinität!  Ich liebe diesen Eintopf und es vergeht kein Winter, in dem ich ihn nicht mehrfach (*Indianerehrenwort*) zubereite. Der macht so ein gutes Bauchgefühl - ihr könnte es euch vermutlich nicht vorstellen... So geht Wohlfühlessen!!! Und zwar direkt für einen großen Tisch hungriger Mitmampfer!

Ihr erinnert euch an mein DUBB? Ihr dürft euch gerne beteiligen und ebenfalls eure ganz persönlichen Lieblingsrezepte unter Vermeidung aller Bescheidenheit - wichtig! - (erneut) vorstellen. Bitte für mich entsprechend als DUBB kennzuzeichnen, damit ich sie nicht verpasse - das kann schließlich keiner wollen...

Freitag, 17. Februar 2017

Kürbislasagne für den Weltfrieden

Mich durch die tägliche Nachrichtenflut wie Herr Buddenbohm zu kämpfen, ist nicht mein Dschungel. Ich bin eindeutig *Team Kalendersprüche*. *Jeder muß alles können* ist das Credo meines Habibs, während ich als jüngere Generation traditionelle Werte hochhalte wie Arbeitsteilung. Für Weltpolitik ist der Mann im Haus zuständig und er somit meine Filter-App.

Nur irgendwie - so dünkt es mir - kommen selbst die größten Abstandshalter gerade nicht wirklich um politische Themen. Hüben wie drüben dieses Jahr Wahlen. Und dann allerortens Trumpomania.  Die Achse des Bösen scheint neu verlegt zu werden und die amerikanische Politik trägt neuerdings das ihr entsprechende Gesicht. Schon komisch, wie immer schwunghaft EIN Thema sämtliche Medien beherrscht, bevor es geschlossen zum nächsten übergeht. Unruhe bleibt die seit längerem beherrschende, kontinuierliche Grundstimmung. Tatsächlich bin auch ich besorgt, wenn mich meine Nachrichtenstelle auf Artikel wie diesen verweist: *Es sieht aus, als würde die Welt sich auf Krieg vorbereiten*. Die Stimmen scheinen sich in dieser Hinsicht zu mehren. Die Zahlen deutscher Rüstungsexporte sprechen zudem eine eindeutige Sprache. Wie kann ich mir eine sachliche Haltung zu solchen Fakten vorstellen? 

Ihr seht mich ratlos. Bekennenderweise bin ich Pazifistin und zwar eine von der orthodoxen Sorte: Krieg ist NIE eine Option. Trost bietet mir mein Gedächtnis (*Team Kalendersprüche) *Viele Menschen ringen um hohe Ideale und überall ist das Leben voller falschem Heldentum, sei du selbst, vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung.* Letzteres würde mir zum Thema *Weltpolitik* wohl schwerlich gelingen.

Und wie ein Erdmännchen, das faulige Witterung aufgenommen hat, husche ich zurück in die Küche, bereit, uns das Leben ein glizzekleines bißchen schöner zu kochen. Und das geht in meinem Universum am allerdirektesten mit frischer Pasta. Dafür nehme ich mir sogar Zeit - die braucht diese Lasagne auch, ebenso wie ich, um den Geruch in der Nase wieder loszuwerden...
Zutaten 4P:

350g Kürbis (m: Butternut)
1 Karotte
1 Zwiebel, fein gewürfelt
2 Knoblauchzehen, fein gewürfelt
2 EL Staudensellerie, fein geschnitten
200g Ofentomaten
70ml Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer
1Pr Zucker
1/2 TL Ras el Hanout
1/4 TL Zimt
1 TL Thymian
Harissa

1 EL Butter
1 EL Mehl
200ml Milch
100ml Gemüsebrühe
50ml Weißwein
5 Blätter Salbei
Salz, Pfeffer
Muskatnuss-Abrieb

80g geriebener Käse (m: Comté)

Lasagne-Blätter:
80g Hartweizenmehl
40g Mehl (m: D630)
1 Ei
1 Eigelb
1 EL Spinatmatte
Salz
1 EL Öl

Zubereitung:

Aus den Zutaten für die Lasagne-Blätter einen homogenen Teig verkneten und diesen eingewickelt ca. 2 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen. Den Teig schön dünn auswellen und zu 6 Rechtecken schneiden (passend zur Form - m: 15cm x 25cm). In einer breiten, hohen Pfanne reichlich Salzwasser zum Kochen bringen, zwei Backbleche ölen und die Lasagneblätter nacheinander in dem Salzwasser garen , abtropfen lassen und glatt auf den Backblechen ausbreiten.

Die Milch für die Béchamel-Sauce zusammen mit dem Salbei aufwallen lassen, dann bis zur weiteren Verarbeitung mit geschlossenem Deckel ziehen lassen.

Zwiebel und Knoblauch fein würfeln. Den Kürbis, den Sellerie und die Karotte in etwa 1/2cm große Würfel schneiden.  Die Zwiebel in Olivenöl glasig dünsten. Kurz vor Ende Knoblauch und Thymian zufügen und ebenfalls mitrösten. Schließlich das Gemüse unterrühren und ebenfalls kurz mitwenden. Die Ofentomaten sowie die Gemüsebrühe anschütten, mit Zucker, Ras el Hanout und Zimt würzen, salzen, pfeffern und zugedeckt bei kleiner Hitze etwa 1min köcheln lassen.

Nun die Béchamel zubereiten: dafür die Butter in einem kleinen Topf schmelzen lassen, das Mehl einrühren und etwa 2-3min rösten ohne es Farbe annehmen zu lassen. Milch (ohne Salbeiblätter), Brühe und Wein anschütten, dabei kräftig mit dem Schneebesen rühren, damit keine Klümpchen entstehen und cremig eindicken lassen. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen.

Den Ofen auf 190° vorheizen.

Eine ofenfeste Form buttern. Zuerst etwa 2 EL Béchamel in die Form geben, dann das erste Lasagneblatt - Gemüse - Béchamel - geriebener Käse - Lasagneblatt uswusf - abschließen mit Lasagneblatt, Béchamel und Käse. Im heißen Ofen ca. 30min backen. Vor dem Anschneiden etwa 5min ruhen lassen.

Mittwoch, 15. Februar 2017

Backofen-Kartoffelpuffer

Wenn wir unterwegs sind - und wir waren diesen Winter wieder unterwegs - dann spielt Essen eher eine untergeordnete Rolle. Tatsächlich haben wir beide uns die letzten Wochen überwiegend von Suppen ernährt. Und gerne auch Salat. Dazu gab es morgens wie abends völlig ungewöhnlich viel Fladenbrot. Aber dazu komme ich bestimmt noch...

Wieder zurück brauche ich dieses Mal irgendwie ein *Warm up* mit meiner Küche. Ich komme nicht richtig in Schwung. Also fange ich mit altbewährten Rezepten an: backe uns Buletten oder meine geliebte, schnelle Reispfanne. Oder ein schönes Salat-Plus-Essen. 

Die Ofen-Kartoffelpuffer habe ich bei Sandra entdeckt und direkt im Vergleich nachgezogen: mit oder ohne Ei - was schmeckt besser? Nun, die mit Ei werden goldiger im Farbton und etwas saftiger. Wer auf das Ei verzichtet, sollte dafür etwas mehr Öl an die Kartoffeln geben... soweit unser Fazit! Und klar, großes Plus der Ofenvariante: das Frittenbuden-Parfum bleibt einem erspart!
Zutaten 2-3P:
 
700 gr Kartoffeln, mehligkochend
1 Zwiebel
3 EL Haferflocken, fein
1 Ei 
1 EL Kartoffelwasser mit Kartoffelstärke 
3-4 EL Öl, neutral
Salz & Pfeffer
Muskatnuss
2 EL Petersilie, fein gehackt
 
Zubereitung:  
 
Den Backofen auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen und ein Backblech mit Backpapier belegen.
 
Die Kartoffeln schälen, waschen und fein reiben. Die Karoffeln in einem Sieb ausdrücken, das Kartoffelwasser dabei auffangen. Die Zwiebeln schälen und fein würfeln, die Petersilie fein hacken. Kartoffeln mit Zwiebel, Petersilie und Haferflocken mischen. Salzen, pfeffern und mit Muskatnuss würzen

Nun die Masse teilen. Eine Hälfte mit dem Ei vermengen und 1 EL Öl. Für die andere Hälfte das Kartoffelwasser abschütten bis auf etwa einen Eßlöffel und damit die abgesetzte Stärke vom schüsselboden lösen. Die Kartoffelstärke unter die Kartoffelmasse ohne Ei mischen mit 2-3 EL Öl
.
Nun Puffer aus der Masse formen mit Hilfe eines Dessertringes. Beim Verteilen darauf achten, dass die Puffer nicht zu dick werden, etwa 0,5-1 cm. 

Das Blech in den Ofen geben und für 35-40 min., je nach gewünschtem Bräungrad, backen.
 

Donnerstag, 9. Februar 2017

vegetarische Brathähnchenkeule

Mit moränenhaftem Lächeln erwarte ich die Fleischeslustigen, die aus purer Entrüstung ob des Titels hierher klicken. Da sinnse nämlich gerne ein bißle empflindlich, die Carnivoren, das mögen sie nicht. Das weiß ich aus Erfahrung, ob es nun um vegetarische Leberwurst geht oder Veggie-Szegediner-Gulasch-Lasagne oderoder. Bei Fleisch muß Bier schon Bier bleiben. Ich merke fast, wie es den ein oder anderen in den Fingern kribbelt in die Tasten zu hauen: *Was ein Bullshit wieder! Ein Gemüsehuhn ist seither nicht geschlüpft*

Aber das wissen wir ja alle. Und Team Hack hat nun zudem Polit-Prominente Unterstützung, einen Verbraucherschützer des ersten Battalion: Bundesagrarminister Christian Schmidt will demnächst Fleischnamen für vegetarische und vegane Produkte verbieten. Dann ist rum mit groben Späßken! Und niemand wird sich mehr von mir hier durchkitzeln lassen! Was einigermaßen bedauerlich sein wird. Können wir aber trotzdem alle zusammen für witzig befinden, dass das Strudelende aussieht wie eine vegetarische Brathähnchenkeule. Volle, oder?

Geschmeckt hat der feine Krautstrudel mit Paprikasauce übrigens überhaupt nicht nach Federvieh - ja, ich höre ja schon auf - sondern wie ein oberköstlicher Weißkohlstrudel, den ich ganz genauso wieder zubereiten werde. Jedes Mal, wenn ich einen Strudel zubereite, wundere ich mich, wieso ich eigentlich immer ein wenig Muffen vor dem Strudelteigziehen habe. Hält man sich an die Vorgaben der Ösi-Foodie-Kollegen kann gar nichts schief gehen. Die Inspiration zu diesem Gericht ergab sich erneut aus einem bewährten Flipperspiel von missboulette zur Küchenschabe bis zu mir - ein Ballspiel, das noch jedes Mal zum Jackpot-Essen wurde und auf das ich mich mittlerweile blind verlasse!
Zutaten 2P:

Strudelteig*:
150 g Mehl
95 ml warmes Wasser
1 EL Öl
eine Prise Salz
Öl zum Bestreichen
Mehl zum Bestauben
Butter zum Bestreichen

600g Weißkohl
Salz
1 Zwiebel, fein gehackt
1/2 TL Zucker
1 TL Paprika, edelsüß
1/2 TL Kreuzkümmel
2 TL Thymian
Piment d'Espelette
Pfeffer und Muskat
100 g Sauerrahm
ca. 120ml Gemüsebrühe

Paprika-Sauce nach diesem Rezept

Zubereitung:

Mehl mit Salz, Öl und nach und nach mit dem warmem Wasser verkneten. Den Teig mit Öl bestreichen und zugedeckt eine halbe Stunde rasten lassen.

Das Kraut in feine Streifen schneiden. Kräftig salzen und mit den Händen durchkneten. Eine Stunde ziehen lassen (m: deutlich kürzer).

Die Zwiebel in etwas Butter anschwitzen und glasig braten. Das Kraut gut ausdrücken und unterrühren, ebenso sämtliche Gewürze (ohne die Crème fraîche). Ungefähr 20 Minuten weich dünsten, nochmals abschmecken. Den Backofen auf 200 Grad vorheizen.

Jetzt mit dem Teig zum größten Tisch in der Wohnung gehen. Ein großes Leintuch auf der Tischfläche ausbreiten, mit Mehl anstäuben, den Teig ebenfalls anstäuben und gleichmäßig ausrollen. Mit flüssiger Butter bestreichen, zugedeckt einige Minuten rasten lassen. Nun mit beiden Handrücken unter den Teig greifen und den Teig ganz vorsichtig gleichmäßig ausziehen (so dünn, dass man eine Zeitung drunter lesen könnte). Die Ränder abschneiden. 

Den Teig mit etwas Öl bepinseln. Die Füllung darauf verteilen, dann den Sauerrahm darüber verstreichen. Den Strudel vorsichtig einrollen und in eine passende Form legen. Mit etwas Brühe bei 200 Grad ungefähr 40 Minuten backen. Ab und zu mit Suppe übergießen und goldbraun backen lassen.

Parallel die Paprikasauce wie hier beschrieben zubereiten. Zusammen mit dem Strudel servieren!

*Anmerkung m: Den Strudelteig extra deutlich erhöht - das nimmt komplett irgendwelchen Stress beim Ausziehen!
Inspiration: Uschi aka Küchenschabe

Dienstag, 7. Februar 2017

Was schön war #1


Sanft wiegen mich die Töne der Flöte des Schlangenbeschwörers, die leise aus dem versteckten Lautsprecher spielt, während sich vereinzelt große Tropfen von dem Deckengewölbe lösen. Rücklings beobachte ich ihren Fall. Die runden, ringförmig angelegten Glasfenster des Deckengewölbes werfen matte Lichtstrahlen nach innen, die in der Feuchtigkeit wie Nebelscheinwerfern wirken. Es trifft ringsherum auf opulenten blauen und roten Marmor. Ich schließe die Augen.

Steif und durchgefroren strecke ich mich auf der riesigen beheizten Marmorplatte aus. Die zentrierte und erhöhte Liegefläche teile ich mir lediglich mit einer anderen Frau - jede eingewickelt in ein Leinentuch und gebettet auf einem solchen. Die Schwüle, die Wärme und der Schlangenbeschwörer füllen den Raum. Liegen, atmen, wärmen...


Holzpantoffeln, die hart auf den Steinboden aufschlagen, hallen durch den quadratischen Bau und zerreißen jäh die meditative Stimmung. Zu meinem Erstaunen betritt eine Gruppe von drei Männern das Hararet. Wir Mädels ziehen beide unsere Leinentücher etwas höher. Gleichzeitig beginnt die Wärme langsam zu beißen: ich muß meine Liegeposition immer wieder ändern. Und wie abgesprochen holt mich die Natir, die Bademeisterin, ab zur Schaummassage in einen seperarten, blickgeschützten Raum. Wir sind unter uns.

Sie weißt mich an, das Pestamal abzulegen und mich nackt - nur mit dem kleinen vom Bad gestellten Plastikstring - auf die Bank zu legen. Sie zieht ihr weites Kleid über den Kopf und schlüpft in einen schwarzen Büstenhalter. Er hat rechts am Träger ein kleines Loch in der Spitze. Ihre ebenholzfarbenen Haare bindet sie erneut nach oben. Nach und nach schüttet sie die Seifenlauge über mich, um sie mit kräftigen Bewegungen in mich einzumassieren. Ich werde gewalgt, jede kleine Spannung wird aufgespürt und zur Hingabe aufgefordert ...


Sie drückt mich an ihre Brüste und ihren Bauch. Weich fühlt sich ihr Körper an, so wie der Körper  einer Frau, die vielen Kindern das Leben geschenkt hat, die bereits Oma ist. Die Seifenblasen schäumen mir bis ins Gesicht. Kundig gleiten ihre Hände über meine Glieder. Sie faßt mich überall an, sie kennt meinen Körper, sie kennt viele Frauenkörper. Ihre Berührungen gehen mir unter die Haut. Nur wir beide. Ich werde zu ihrem Kind: sie ist meine Patchamama. Sie ist meine Schwester. Und gleichzeitig sind wir beide Kinder der gleichen Mutter. Eins sein im Frau sein, verbunden durch die Urweiblichkeit - älter als die Venus von Willendorf, tiefer als Sprache. Wir kennen uns.

Als ich ihr zu Füßen auf dem Boden sitze, eingeklemmt zwischen ihren Mama-Schenkeln, und sie mir die Haare wäscht, sind wir längst durch die Zeit gefallen: wir schwimmen getragen von Seifenblasen in das Paralleluniversum Harem. Dort ist die Natir die Seele, die, die alles weiß, die, die allen zuhört, die, der alle vertrauen: das Reich der Frauen. Auch ich bin bereit, ihr mein Leben auszubreiten, bis auf das allerkleinste Geheimnis. 

So offenbare ich mich mit meinen drei Worten Türkisch, als sie meine Haare fertig zu einem Zopf geflochen hat, strahlend und anhänglich, mit rosigen Wangen: *Danke! Teşekkür! Vielen Dank! Teşekkür ederim! S-E-H-R gut! Ç-O-K güzel!!* Sie lächelt verschnitzt-wissend zurück und antwortet: *Hamam-güzel!*


                                                         .
                                                                .
                                                             .

Bei sensationellem Schneefall stapften wir zu Fuß von unserer Unterkunft zu einer der ältesten, öffentlichen Badeanstalten Istanbuls, dem Gedik Paşa - Danke an dieser Stelle an Isa für wunderherrliche Tipps zum Stadt bestaunen!

Die Initiative *Was schön war* von Anke Gröner und Maximiliam Buddenbohm zieht Kreise - zu diesem Thema sollte sich doch öfters etwas beitragen lassen...

Mittwoch, 1. Februar 2017

Frau Holles Minestrone

Das Märchen *Frau Holle* beschreibt wirklich bilderbuchmäßig den Unterschied zwischen Fleiß und Ehrgeiz. Zwei Begriffe, die gerne in einen Topf geschmissen oder miteinander verwechselt werden. *Goldmarie* macht lediglich ihre Arbeit gewissenhaft und anständig, tut einfach was ansteht und ist sich für nichts zu schade: kleine, nützliche Tätigkeiten, ganz ohne gehobenen Anspruch, die Welt zu verbessern doch im Märchen zieht genau dieses Verhalten Kreise und wirkt sich bis auf das Wetter aus...

Meiner Meinung nach ist *Fleiß* einer DER Zugänge zur Zufriedenheit. Wer mit seiner eigenen (sinnvollen) Tätigkeit ausgelastet ist, hat keine (unnütze) Zeit, sich darüber aufzuregen, was überm Nachbarzaun passiert. Wie sagt doch das alte Sprichwort: *Müßiggang ist aller Laster Anfang*. Das gehört jenen Zeiten an, als *Chillen* noch nicht in der Spalte von möglichen Freizeitgestaltungen auftauchte. Oder schaut euch die Nomadenvölker an. WAS Gesichter! Und was harte Arbeit!

Wer einen Garten sein Eigen nennt, darf prinzipiell nicht arbeitsscheu sein. Sonst holt sich die Natur das Stück kultivierte Land im Handumdrehen zurück. Diese Minestrone verdankt ihren Hochgenuß dem rechtzeitigen Einmachen in den Sommermonaten: dem Gemüse-Confit. Und ich will euch mit meinem Gartenblog ja zeigen, wie köstlich saisonale Ernährung ist. Eben die pimpt man im Winter eindeutig mit den Sommer-Reserven. 

Als Gartenküche verweise ich daher immer wieder auf meine Dauerbrenner, die sich über die Jahre in das Herz meiner Speisekammer standartisierten. Für die Balsamico-Orangen-Reduktion ist jetzt übrigens immernoch eine gute Zeit zum Nachproduzieren. Und Bitterorangen-Marmelade (die einzige, die den Habib zu locken vermag) habe ich letzten Monat wieder gekocht. Selbst wenn die Daunendecken von Frau Holle gerade rein geräumt wurden, herrschen für solche Küchen-Aktionen nach wie vor prima Außenbedingungen, oder?
Zutaten 2P:

1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
2 Stangen Lauch
1/4 Blumenkohl
4 Röschen Brokkoli
2 Möhren
1 Stück Kürbis (in der Größe zweier Möhren)
1 Petersilienwurzel
1/2 Fenchelknolle
70g Pasta (m: Anelli)
Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer 
1 Lorbeerblatt
Harissa
Saft einer 1/2 Orange
Olivenöl
1-2 EL Balsamico-Reduktion

1 Scheibe Brot in kleine Würfel geschnitten
1/2 TL Thymian, getrocknet
(optional geriebener Parmesan)

Zubereitung:

Zwiebel und Knoblauch fein würfeln, Lauch in feine Ringe, sämtliches Gemüse in kleine Würfel schneiden - dabei jeweils in eine eigene Schüssel geben: Zwiebeln, Lauch und Knoblauch/ Karotte, Kürbis, Fenchel, Petersilienwürfel/ Brokkoli und Blumenkohl.

Eben in dieser Reihenfolge auch nacheinander und getrennt von einander anbraten. Dann alles zusammenfügen, Lorbeerblatt dazugeben, Gemüseconfit und Gemüsebrühe anschütten, sodass sämtliches Gemüse gut bedeckt ist. Je nach Garzeit der Pasta diese untermischen (m: meine Anelli hatten eine Garzeit von 18min - daher gab ich sie direkt mit der Gemüsebrühe dazu) - ca. 15-20min köcheln lassen.

Parallel die Brotwürfel in etwas Olivenöl zusammen mit dem Thymian rösten.

Vor dem Servieren die Suppe mit Harissa (oder Piment), sowie Salz und Pfeffer abschmecken. Außerdem mit Balsamico-Reduktion und dem Orangensaft würzen.

Zusammen mit den gerösteten Brotwürfeln servieren.
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...